Geschichten von Euch

Rot von Siiri: "Sie sitzt im Regen, ganz still und ruhig. Und vielleicht sogar entspannt. Ihren Kopf hat sie nach hinten gelehnt, so dass ihre Augen besser den Himmel erreichen..."

Die Grimasse von Sandra: "Ich weiß noch genau, was ich beim Anblick dieses grotesk verzerrten Gesichtes dachte. Es befand sich eines Tages direkt vor mir und ich hatte viel Zeit, mir diese Grimasse genau anzusehen..."

Beschreibung des SVV von Bea: "Die Sonne strahlt auf meine Haut, erwärmt jeden Zentimeter meiner Haut. Ich fühle richtig wie die Strahlen in meinen Körper eindringen, immer weiter in mich hinein..."

Bedenke von Hanna: "Bedenke, dass es nicht Dein Einfall war.."


Rot von Siiri

Sie sitzt im Regen, ganz still und ruhig. Und vielleicht sogar entspannt. Ihren Kopf hat sie nach hinten gelehnt, so dass ihre Augen besser den Himmel erreichen. Regentropfen klatschen hart auf ihr Gesicht, und ich kann nicht erkennen, ob sie weint oder nicht. Ihre Augen sind nicht geschwollen aber doch ein bisschen rot. Wimperntusche rinnt ihre Wange hinab an ihrem Mund vorbei. Sie hat einen schönen Mund.Rot wie Kirschen.An ihrem Hals sehe ich, wenn sie schluckt. Vielleicht weint sie doch. Aber sie sieht glücklich aus. Das weiße Hemd klebt an ihrem Körper und ich sehe ihren BH durchleuchten.Rot wie Rosen.

Ihre Schultern sind nackt, und ich könnte annehmen, dass sie friert, doch sie wirkt warm und angenehm weich. Genau wie ihr weicher Rock, dessen Farbe ich nicht genau beschreiben kann. Ich erkenne die Umrisse ihrer Beine, die parallel nebeneinander stehen. Ihre Hände liegen in ihrem Schoß. In den Falten ihres Rockes sammelt sich eine Flüssigkeit. Es ist nicht der Regen, wie ich zuerst vermeinte. Es ist eine warme, weiche Flüssigkeit.Rot wie B**t.


Die Grimasse von Sandra

Ich weiß noch genau, was ich beim Anblick dieses grotesk verzerrten Gesichtes dachte. Es befand sich eines Tages direkt vor mir und ich hatte viel Zeit, mir diese Grimasse genau anzusehen. Zuerst war ich erschrocken und wollte mich abwenden, doch als ich die Augen schon niedergeschlagen hatte, zwang mich irgend etwas in meinem Inneren, noch einmal hinzusehen. Und dann war mein Blick gefangen, ja nicht nur meinen Blick konnte ich nicht mehr abwenden, auch mein Gefühl, mein Herz, jede Faser meines Körpers und meines Geistes war gefangen von diesem Anblick.

Ich hatte Angst vor diesem Ding, es war mir irgendwie zu nah, doch auch als ich ein paar Zentimeter zurückgewichen war, ließ mich dieses beklemmende Gefühl der Enge nicht los. Es war mir nicht körperlich zu nah, nein, so lag nun etwa ein Meter zwischen uns, die Augen, die mich anstarrten, schienen mich zu bedrohen. Ich fühlte Mitleid mit diesem ärmlichem, heruntergekommenem Etwas, ich war traurig über dieses Elend und zugleich verspottete ich dieses Gesicht doch innerlich. Ich weiß nicht, warum.

Wie alt dieses Gesicht aussah! Ich verglich es mit meiner eigenen Jugend und Vitalität. Wie gut ich mich doch fühlte! Zugegeben, die Haut sah jung aus, keine Falten, die Haare waren nicht grau. Aber da war keine gesunde Bräune oder Röte in diesem Gesicht, wenn man genau hinsah, konnte man dunkle Schatten unter den Augen erkennen und die Augen selbst waren wie tiefe schwarze Gruben. Was diese Augen wohl schon alles gesehen hatten?

Nein, das Alter konnte ich nicht feststellen, in Jahren gemessen war das Gesicht vielleicht ebenso alt wie ich, noch recht jung. Aber was für Jahre müssen das gewesen sein!

Die Lippen waren blaß und aufgesprungen. Sie waren hart aufeinander gepreßt und schienen niemals um nur einen winzigen Spalt geöffnet zu sein. Dieser Mund verlieh dem Gesicht einen verbitterten Ausdruck.

Die Augen waren groß und von einer schönen Farbe, doch wie verzerrt es wirkte, wenn der Ausdruck der Augen ein so seltsamer war! Ich glaube, das machte diesen ungewöhnlichen und unangenehmen Ausdruck aus. Die Augen sprachen von Tod und Elend, von Einsamkeit, Brutalität und Angst. Sie erzählten Geschichten von Verlust und Gewalt, sprühten Funken von Sarkasmus und Hoffnungslosigkeit.

Die Augen schrien mir etwas zu, doch ich konnte sie nicht verstehen. Sie suchten den Kontakt zu meinen Augen und schienen mich anzustarren, in mich zu dringen, unbarmherzig, die geheimsten Winkel meines Innersten zu erforschen, die mir selbst verborgen blieben, und die Augen kannten keine Grenzen, ich schien mich aufzulösen. Entsetzt bemerkte ich, daß diese seltsame Person mir gegenüber anfing zu weinen. Ohne ein Schluchzen liefen ihr langsam die Tränen über das häßliche Gesicht und ich konnte nicht verstehen, was das Gesicht mir entgegenschrie. Plötzlich sah ich, daß das Bild meines Gegenübers verschwamm und fühlte, wie auch mir Tränen über die Wangen liefen.

Ich wußte damals genauso wenig wie ich es heute weiß, was die Augen mir sagen wollten. Ich habe die tiefen Abgründe von Trauer, Einsamkeit, Schmerz und von Hass erahnt, doch ich war einfach nicht in der Lage, die Botschaft zu verstehen, die mir diese Augen zu vermitteln versuchten, diese Augen, die zu erfassen schienen, was ich selbst nicht sehen wollte. Wollten sie mich warnen? War es Provokation? Ein Hilfeschrei?

Doch bald schon hatte ich aufgehört zu weinen, die Grimasse übrigens auch, und meine Augen waren müde, den ungesprochenen Worten zu lauschen.

Ich war jung und hatte Freude am Leben. Ich fühlte mich wohl und führte genau das Leben, das ich mir wünschte. Und obwohl ich tiefes Mitleid für dieses Gesicht empfand, fehlte doch das Verständnis. Ich wollte leben und konnte mich nicht um etwas kümmern, das bereits tot war. Nein, ich konnte ja nicht für jeden da sein. Als mein Geist sich schon verabschiedet hatte, haftete meine Augen noch immer an der Grimasse, doch ich war bereit zu gehen. Ich senkte langsam die Augen, drehte mich um und ging dann schnell weg. Auch mein Spiegelbild wandte sich ab.


Beschreibung des SVV von Bea

(Dieser Text handelt von selbstverletzendem Verhalten. In Form einer Geschichte stellt Bea hier den Ablauf des SVV´s dar, wie sie es persönlich empfindet.)

Die Sonne strahlt auf meine Haut, erwärmt jeden Zentimeter meiner Haut. Ich fühle richtig wie die Strahlen in meinen Körper eindringen, immer weiter in mich hinein. Sich den Weg zu meinem Herzen bahnen, und dort schließlich eintreffen. Mein Gesicht erhellt sich, mein Herz freut sich, ich komm mir vor, als könnt ich fliegen. Das Lachen verschwindet, was ist passiert ??

Eine Wolke hat sich vor die Sonne geschoben. Sie ist groß und schwarz. Es wird sicher einige Zeit dauern. Ich merk wie meine Haut wieder abkühlt, mein Herz immer schwerer wird, und mein Gesicht immer mehr das Lächeln verliert. Die Wolke hat sich endlich verzogen, und wieder die Sonne freigegeben. Und wieder erwärmt sich meine Haut, ich genieße es. Aber ich weiß das irgendwann wieder eine Wolke kommt.


Bedenke von Hanna

Bedenke, dass es nicht Dein Einfall war, zu leben.Bedenke, dass es nicht Idee war, dass Du atmest.Es war die wunderbare Idee eines anderen.Bedenke, dass niemand so ist, wie Du es bist.Und bete, dass Du es niemals vergisst.